AUTOTEST. Ford Capri Premium RWD ER

Der Name Capri kehrt zurück – und steht heute nicht mehr für ein flaches Coupé, sondern für ein elektrisches Raumwunder mit überraschend viel Alltagstalent.

Schon beim ersten Rundgang in Vivid Yellow wird klar: Der neue Capri trägt einen großen Namen – und interpretiert ihn selbstbewusst neu. Während das Original einst als sportliches Coupé begeistert, steht heute ein modernes Elektro-Crossover vor uns. Und doch bleibt der Gedanke erhalten: auffallen, anders sein, Emotion transportieren. Die glatte Front mit schmalen LED-Leuchten wirkt futuristisch, die coupéhafte Dachlinie erinnert dezent an die Vergangenheit. Kräftige Proportionen, große Räder und ein breites Heck sorgen für Präsenz. Der Capri ist kein Retro-Auto – aber einer, der den Geist von damals in die Gegenwart übersetzt.

Im Innenraum erwartet uns eine moderne, aufgeräumte Gestaltung. Wir nehmen auf angenehm konturierten Sitzen Platz, die guten Halt bieten und auch auf längeren Strecken überzeugen. Zentral dominiert der große, hochformatige Touchscreen, der leicht zum Fahrer geneigt ist und nahezu alle Funktionen bündelt. Dahinter liefert ein digitales Cockpit die wichtigsten Informationen klar strukturiert. In der Premium-Version genießen wir eine umfangreiche Ausstattung, die durch Extras wie das Panoramaglasdach und das Fahrerassistenz-Paket sinnvoll ergänzt wird. Features wie adaptive Geschwindigkeitsregelung, Spurhalteassistent oder ein hochwertiges Soundsystem machen den Alltag spürbar angenehmer. Die Verarbeitung wirkt hochwertig, alles ist sauber umgesetzt.

Beim Platzangebot zeigt sich der größte Unterschied zum historischen Namensgeber. Vorne sitzen wir luftig und komfortabel, auch im Fond geht es überraschend großzügig zu. Selbst Erwachsene finden ordentlich Platz, auch wenn die Dachlinie etwas Kopffreiheit kostet. Für den Alltag ist das Raumangebot mehr als ausreichend – der Capri wird damit endgültig zum vollwertigen Familienbegleiter.

Richtig beeindruckend wird es beim Kofferraum. Schon das Grundvolumen von rund 570 Litern zeigt, dass hier viel Stauraum vorhanden ist. Doch die wahre Stärke offenbart sich beim Umlegen der Rücksitze: Dann stehen bis zu rund 1.510 Liter zur Verfügung. Damit wird der Capri zum echten Transporttalent – ob Großeinkauf, Urlaub oder sperrige Gegenstände. Die breite Öffnung, die niedrige Ladekante und die nahezu ebene Ladefläche machen das Beladen angenehm einfach. Genau hier zeigt sich, wie stark sich der Capri vom einstigen Coupé entfernt hat – und wie viel praktischer er geworden ist.

Angetrieben wird unser Testwagen von einem Elektromotor an der Hinterachse mit 210 kW / 286 PS und einer 77-kWh-Batterie. Schon beim Anfahren erleben wir das typische Elektroauto-Gefühl: sofortiges Drehmoment, leises Gleiten und eine gleichmäßige Kraftentfaltung. Der Heckantrieb sorgt für eine angenehme Balance und bringt eine leichte Dynamik ins Fahrgefühl – eine moderne Interpretation des sportlichen Capri-Gedankens.

Auf der Straße fährt sich der Capri souverän. Die Lenkung reagiert präzise, das Fahrwerk bleibt komfortabel und stabil zugleich. Unebenheiten werden sauber weggefiltert, gleichzeitig fühlen wir uns auch bei schneller Gangart sicher. Der Capri bleibt stets kontrollierbar und angenehm entspannt zu fahren.

Die Fahrleistungen entsprechen exakt den Werksangaben: Den Sprint von 0 auf 100 km/h erledigen wir in 6,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Überholmanöver gelingen mühelos dank sofort verfügbarer Leistung, die jederzeit linear und gut dosierbar abrufbar ist.

Im Alltag pendeln wir uns bei etwa 16 bis 18 kWh pro 100 Kilometer ein. Damit sind realistische Reichweiten um 450 Kilometer möglich. Geladen wird zügig, sodass auch längere Strecken problemlos planbar bleiben. Vor allem im Alltag punktet der Capri mit seiner leisen, komfortablen Fortbewegung.

Fazit: Der Ford Capri Premium RWD ER ist eine gelungene Neuinterpretation eines großen Namens. Statt flachem Sportcoupé bekommen wir heute ein elektrisches Crossover mit enormem Stauraum, viel Komfort und moderner Technik. Der Geist des alten Capri lebt weiter – nur deutlich praktischer als je zuvor.

Fotos: © slz