Erster Voll-Elektriker aus Maranello: 1050 PS, vier Türen, fünf Sitze
In Rom hat Ferrari seinen ersten vollelektrischen Sportwagen enthüllt. Der Ferrari Luce beschleunigt in 2,5 Sekunden auf 100 km/h, erreicht über 310 km/h Spitze und kommt mehr als 530 Kilometer weit – und er setzt damit ein neues Kapitel in der Geschichte des Cavallino Rampante. Doch die Weltpremiere hinterließ gemischte Gefühle: Die Ferrari-Aktie brach am Tag der Präsentation in Mailand um 8 Prozent auf 284 Euro ein, negative Stimmen häuften sich vor allem zum Design des Fahrzeugs, und viele Ferrari-Enthusiasten kritisierten in sozialen Medien den Bruch mit der Marken-DNA. Auch Italiens Verkehrsminister Matteo Salvini meldete sich zu Wort und schrieb auf X, das Fahrzeug sehe aus „wie alles andere als ein Auto des Cavallino Rampante“.
Genau dort, wo alles begann, schlug Ferrari am 25. Mai 2026 ein neues Kapitel auf. In der Vela di Calatrava – Città dello Sport in Rom stellte die Marke aus Maranello den Ferrari Luce vor, ihren ersten vollständig elektrisch angetriebenen Sportwagen. Der Ort war kein Zufall: Auf den Tag genau vor 79 Jahren gewann der Ferrari 125 S auf dem Circuit de la Caracalla den Gran Premio di Roma – der erste Sieg der Markengeschichte. Nun kehrt Ferrari an diesen symbolträchtigen Ort zurück, um zu zeigen, wohin die Reise geht.

Der Name Luce bedeutet auf Deutsch „Licht“ – und er steht für das Selbstverständnis, mit dem Ferrari dieses Projekt angeht. „Heute präsentieren wir nicht einfach nur ein neues Modell, sondern schlagen ein neues Kapitel auf“, sagt Ferrari-Präsident John Elkann. CEO Benedetto Vigna ergänzt: Ferrari kombiniere als weltweit erste Marke vollelektrische Antriebe sowie Hybrid- und Verbrennungsmotoren für Sportwagen – ganz im Sinne der firmeneigenen Technologieneutralität.

Vier Türen, fünf Sitze – eine Premiere
Schon die Karosserie bricht mit Tradition: Der Luce ist der erst zweite viertürige Ferrari überhaupt und der erste mit fünf Sitzplätzen. Möglich wird das durch die elektrische Architektur, die ohne Mitteltunnel auskommt und die Akkus flach unter dem Boden verstaut. Das Ergebnis ist ein großzügiger, luftiger Innenraum, der laut Ferrari trotzdem kompromisslos als Sportwagen konzipiert ist.
Das Design stammt nicht aus dem hauseigenen Centro Stile, sondern vom Kreativkollektiv LoveFrom – gegründet von Ex-Apple-Chefdesigner Sir Jony Ive und Industriedesigner Marc Newson. Ihr Leitprinzip: Vereinfachung. Das sogenannte „Glass House“ prägt die Silhouette – eine schalenartige, fast schwebend wirkende Glasstruktur, die bis unter die Gürtellinie reicht. Vorn und hinten setzen aerodynamische Flügel optische wie funktionale Akzente. Die Räder sind die größten, die Ferrari je an einem Serienmodell verbaut hat: 23 Zoll vorn, 24 Zoll hinten.

Technik aus dem Motorsport
Unter der Karosserie steckt Motorsport-DNA. Vier Permanentmagnet-Synchronmotoren – je einer pro Rad – liefern zusammen 1050 PS und ermöglichen eine präzise Drehmomentverteilung an jedem einzelnen Rad. Der 122-kWh-Akku wurde vollständig in Maranello entwickelt und gefertigt, er unterstützt Schnellladen mit bis zu 350 kW. Trotz des Leergewichts von 2260 Kilogramm schafft der Luce den Sprint von null auf 100 km/h in 2,5 Sekunden.
Eine neue Fahrzeugelektronik namens Vehicle Control Unit koordiniert Antrieb und Fahrwerk 500 Mal pro Sekunde. Das aktive Fahrwerk stammt vom Ferrari F80, die Allradlenkung sorgt für Agilität, die laut Ferrari einem rund 400 Kilogramm leichteren Fahrzeug entspricht. Dabei verspricht Ferrari, dass der Luce der komfortabelste Ferrari aller Zeiten ist – dank aufwendiger Schallschutzmaßnahmen und einem elastisch gelagerten Hilfsrahmen, beides Premieren für die Marke.

Klang ohne Täuschung
Ein besonderes Kapitel ist der Sound. Ferrari lehnt synthetische Geräusche ausdrücklich ab. Stattdessen erfasst ein Präzisionssensor die Vibrationen der elektrischen Achsen und verstärkt sie – ähnlich wie ein Gitarrenverstärker das Signal einer E-Gitarre bearbeitet. Der Fahrer kann die Intensität über das e-Manettino steuern: von konzentrierter Stille bis zum vollen akustischen Erlebnis.
Das Interieur kombiniert präzisionsgefertigte analoge Bedienelemente – Drehregler, Kippschalter, mechanische Tasten – mit digitalen OLED-Displays, die Samsung exklusiv für den Luce entwickelt hat. Das Audiosystem umfasst 21 Lautsprecher und 3000 Watt.
Für die Umwelt setzt Ferrari auf Recycling-Aluminium: Rund 70 Prozent des Fahrzeuggewichts bestehen aus diesem Material, was den CO₂-Ausstoß in der Produktion deutlich senkt. Über 60 neue Patente stecken im Luce. Geliefert werden soll er mit einem siebenjährigen Wartungsprogramm und einer achtjährigen Garantie auf den elektrischen Antriebsstrang.









































