AUTOTEST. MG Cyberster GT

Es gibt Autos, die gefallen. Es gibt Autos, die begeistern. Und dann gibt es diese seltenen Exemplare, bei denen wir nach wenigen Kilometern wissen: Den würden wir am liebsten gar nicht mehr zurückgeben. Der MG Cyberster GT ist so einer. Ein wunderschöner Roadster, offen, extravagant und mit 375 kW (510 PS) derart schnell, dass selbst gestandene Supersportler ins Schwitzen kommen. Bei traumhaftem Sommerwetter können wir den Cyberster ausgiebig testen – und genießen dabei jeden einzelnen Kilometer unter freiem Himmel.

Schon im Stand ist unser Cyberster eine Augenweide. Medal Silver Metallic nennt MG das helle Silber unseres Testwagens – und selten hat eine Farbe besser zu einem Auto gepasst. Sie betont die flache, breite Karosserie, lässt die langen Linien wunderbar zur Geltung kommen und wirkt gleichzeitig ausgesprochen elegant. Dazu das schwarz-rote Interieur mit seinem angenehm gedeckten Rotton: eine traumhaft edle Kombination, die beinahe an klassische britische Roadster erinnert.

Klassisch ist allerdings spätestens beim Öffnen der Türen vorbei. Die elektrisch betätigten Scherentüren schwingen spektakulär nach oben und machen jeden Ein- und Ausstieg zur kleinen Show. Dazu öffnet sich das elektrische Stoffverdeck in nur 15 Sekunden – sogar während der Fahrt bis 50 km/h. Dach weg, Türen wieder zu, Fahrstufe einlegen und los. Und wie!

Im Cyberster GT arbeiten zwei Elektromotoren, gemeinsam liefern sie 375 kW (510 PS) und mächtige 725 Nm. Der Allradantrieb bringt diese Kraft erstaunlich souverän auf den Asphalt. MG verspricht für 0 auf 100 km/h 3,2 Sekunden – und genauso brutal fühlt sich das an. Gaspedal hinunter und der Cyberster schießt nach vorne, als hätte ihn jemand abgeschossen. Fahrer und Beifahrer werden mit Nachdruck in die Sitze gepresst, der Horizont kommt plötzlich erschreckend schnell näher.

Das sind Fahrleistungen, mit denen dieser MG ausgewachsene Supersportwagen in die Schranken weist. Und genau darin liegt ein Teil seines unglaublichen Reizes: Von einem MG erwartet niemand eine derartige Urgewalt. Noch weniger von einem offenen Zweisitzer, mit dem wir Sekunden zuvor entspannt durch die Landschaft geglitten sind. Erfreulich bleibt dabei der Verbrauch: Mit 18,2 bis 20,3 kWh/100 km begnügt sich der 510-PS-Roadster in unserem Test mit erstaunlich wenig Strom.

Dabei kann der Cyberster weit mehr als nur geradeaus schnell. Der tiefe Schwerpunkt, die breite Spur und die direkte Lenkung sorgen auf kurvigen Straßen für jede Menge Fahrspaß. Knapp zwei Tonnen lassen sich zwar nicht völlig verstecken, doch der GT liegt satt, sicher und vertrauenerweckend auf der Straße. Aus engen Kurven heraus wird wieder Leistung freigegeben – und schon beginnt das nächste kleine Beschleunigungsfest.

Fast noch schöner ist allerdings die andere Seite dieses außergewöhnlichen MG. Dach auf, Geschwindigkeit reduzieren und einfach genießen. Plötzlich geht es nicht mehr um Zehntelsekunden. Fahrtwind, Himmel, die tiefen Sitze und die herrliche Farbkombination schaffen echtes Roadster-Feeling. Genau hier beweist der Cyberster, dass Emotion und Elektroantrieb hervorragend zusammenpassen.

Auch das Cockpit macht ordentlich etwas her. Drei Displays umschließen den Fahrer, hochwertige Materialien, Sportsitze und das unten abgeflachte Lenkrad erzeugen eine sehr spezielle Atmosphäre. Mit 249 Litern Kofferraum reicht der Platz sogar für einen Wochenendausflug zu zweit. Die 77-kWh-Batterie bietet 74,3 kWh nutzbare Kapazität, geladen wird mit 11 kW AC beziehungsweise maximal 144 kW DC.

Doch Zahlen erzählen beim Cyberster nur die halbe Geschichte. Dieses Auto lebt von seiner Erscheinung, seinen Scherentüren, dem offenen Fahren – und natürlich von diesem geradezu aberwitzigen Vorwärtsdrang.

Fazit: Der MG Cyberster GT ist eines jener Autos, die uns wieder daran erinnern, warum wir Autos lieben. Offen ein Genuss, mit 510 PS ein Geschoss und dabei ein Roadster voller Emotionen und Charakter. Ein elektrischer Traumroadster, bei dem uns die Rückgabe verdammt schwerfällt. Und das Allerbeste kommt zum Schluss: Die Preise für den Cyberster starten in Österreich bereits bei EUR 59.990,-(Modell Trophy mit 340 PS). Kaum zu glauben, wie viel automobile Extravaganz, Emotion und Fahrspaß man hier fürs Geld bekommt. Unbedingt selber zur Probe fahren!

Fotos: © slz