AUTOTEST. Opel Mokka GS Electric

Wir steigen in ein Kompakt-SUV, das mehr Statement als Mitläufer sein will – und im Alltag überraschend erwachsen auftritt.

Schon von außen macht der Mokka klar, dass er nicht um Aufmerksamkeit bittet, sondern sie sich nimmt. Das GS-Paket setzt auf Kontraste und klare Linien: Vermeintliche Motorhaube, Dach und A-Säule sind serienmäßig in Diamant Schwarz lackiert, dazu kommt das Black Pack mit Vizor-Rahmen, Opel-Blitz und Schriftzug in Hochglanzschwarz. Auf unserem Testwagen wirkt das besonders stimmig, weil die Karosserie in Tropikal Grün leuchtet – frech, aber nicht schrill. Dazu passen die für den Electric vorgesehenen 18-Zoll-Leichtmetallfelgen „Ben Solo“ in BiColor-Schwarz. Die Front bleibt flach und aufgeräumt, die LED-Rückleuchten wirken wie mit dem Lineal gezogen – insgesamt ein Auftritt, der urban und sportlich rüberkommt, ohne übertrieben zu sein.

Innen empfängt uns Opels „Detox“-Ansatz: weniger optischer Lärm, klare Flächen, logisch gesetzte Tasten. In der GS-Ausführung sitzen wir auf Komfortsitzen in Stoff/Premium-Lederoptik „Fokus“ in Schwarz mit hellgrauen Einsätzen; das Lenkrad ist unten abgeflacht und aus veganem Kunstleder. Vor uns spannt sich das digitale Cockpit mit 10-Zoll-Fahrerinfodisplay und 10-Zoll-Touchscreen – beides serienmäßig. Smartphone-Integration, Bluetooth und Opel Connect One inkl. Connect Plus sind ebenso an Bord wie die Ein-Zonen-Klimaautomatik. Schön alltagsnah: die Mittelarmlehne mit Ablagefach, die saubere USB-C-Integration und die insgesamt solide Materialanmutung vor allem dort, wo man ständig hinfasst.

Bei den Platzverhältnissen bleibt der Mokka ehrlich Kompaktklasse. Vorn passt das sehr gut, auch mit Jacke und Winterstiefeln – Sitz und Lenkrad lassen sich passend einstellen, die Übersicht stimmt. Hinten geht es für zwei Erwachsene noch in Ordnung, aber Knie- und Fußraum sind nicht verschwenderisch. Für Kinder oder kürzere Strecken passt das bestens, auf langen Etappen merken Großgewachsene, dass der Mokka eher City-SUV als Familienvan sein will.

Der Kofferraum ist in der Electric-Version etwas knapper als bei den Verbrennern: 310 bis 1.060 Liter geben wir ihm mit, und damit liegt er im Alltag genau da, wo man ihn erwartet. Einkäufe, Kinderwagen oder zwei Kabinentrolleys schluckt er problemlos, mit umgelegter 60:40-Lehne wird er brauchbar lang – für den großen Möbelhaus-Run planen wir aber lieber einmal mehr.

Angetrieben wird der Mokka GS Electric vom Elektromotor mit 115 kW/156 PS und 260 Nm. Die Kraft liegt sofort an, und genau das macht ihn im Stadtverkehr so entspannt: Lücke sehen, einmal sanft aufs Pedal – weg. Der Sprint auf 100 km/h ist mit 9,0 Sekunden absolut passend, die 150 km/h Spitze reichen für Autobahnrealitäten locker, auch wenn der Mokka dabei klar signalisiert: Sein Wohlfühltempo liegt eher knapp darunter, aber im Bereich des gesetzlich Erlaubten.

Beim Fahren & Fühlen gefällt uns die Kombination aus handlicher 4,15 m Karosserie (nur 4,150 m und kleinem Wendekreis (10,06 m). Die Lenkung ist direkt genug, das Fahrwerk straff, aber nicht bockig. Über Querfugen poltert er manchmal kurz an, insgesamt bleibt er jedoch komfortabel. Die GS-Optik verspricht Sport, tatsächlich liefert der Mokka eher Souveränität: präzise, leichtfüßig, mit gut dosierbarer Rekuperation. Für die Sicherheit sind Frontkollisionswarner mit automatischer Gefahrenbremsung, Spurhalte-Assistent, Verkehrszeichenerkennung, Müdigkeitserkennung und Geschwindigkeitsregler/-begrenzer serienmäßig; beim Electric GS hilft außerdem die 180-Grad-Panorama-Rückfahrkamera und der Parkpilot hinten.

Beim Verbrauch & Laden punktet der Mokka mit solider Technik: Die 54-kWh-Batterie kommt serienmäßig mit 7,4-kW-Onboard-Charger (1-phasig), eine 11-kW-3-phasige Variante gibt es optional. DC-Schnellladen klappt praxisgerecht: 20 auf 80 Prozent dauern bei rund 100 kW etwa 27 Minuten. An der AC-Wallbox sind es mit dem Serienlader ca. 9:35 Stunden, mit dem optionalen 11-kW-Lader ca. 3:10 Stunden. Eine Wärmepumpe ist serienmäßig – im Winter ein klarer Pluspunkt. Im Alltag bewegen wir ihn je nach Temperatur und Tempo realistisch im mittleren bis oberen Zehnerbereich kWh/100 km; wer viel Stadt fährt und vorausschauend rekuperiert, kommt spürbar weiter als der, der ihn dauerhaft auf der linken Spur treibt.

Fazit: Der Opel Mokka GS Electric gefällt uns als charakterstarker Kompaktstromer: auffälliges Design, gut bedienbares Cockpit, stimmige Serienausstattung und ein Antrieb, der im Alltag genau die richtige Mischung aus Punch und Gelassenheit bringt. Wer Platzwunder sucht, schaut anderswo – wer jedoch ein urbanes SUV mit echter Persönlichkeit will, findet hier einen ziemlich treffsicheren Kandidaten.

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